Landschaftsbild 30

1) Kopfbild Mitte: Der Schlern

Übersicht zur Gemeinde

Italienische Region Trentino-Südtirol
Provinz Bozen
Bezirks-gemeinschaft Salten-Schlern
Gemeinde Kastelruth
Höhe Zentrum 1060 m.ü.M.
Einwohner 6.456 (Jan. 2010)
Sprachgruppe Prozentualer Anteil
Deutsch 81,8%
Italienisch 3,4%
Ladinisch 14,8%

Offizielle Website / Quellen

www.gemeinde.kastelruth.bz.it

Quellennachweis

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Landkarte Großansicht

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Kastelruth - eine bewegte Geschichte

2) Wappen Kastelruth, Quelle: www.comuniweb.it, Lizenz: Gemeinfrei

Der Bekanntheitsgrad der Gemeinde Kastelruth reicht weit über die Grenzen hinaus und ist nicht zuletzt Zeit geprägt durch die Kastelruther Spatzen.

Die Gemeinde selbst besteht neben dem Hauptort Kastelruth aus insgesamt 10 Fraktionen.. Bekanntester Ort davon ist Seis am Schlern. Darüber hinaus gibt es eine Reihe weiterer, kleinerer Ortschaften, wie St. Michael im Nordosten, St. Oswald im Südwesten, St. Vigil, Tagusens und Tisens.

Zu den Fraktionen der Gemeinde gehört auch die weitläufige Seiser Alm, die als Hochfläche fast die Hälfte des Gemeindegebietes ausmacht. Die Seiser Alm ist Landschaftsschutzgebiet, ein kleinerer Teil gehört zum Naturpark Schlern. Drei der Fraktionen, nämlich Pufels, Runggaditsch und Überwasser liegen an der südwestlichen Talseite Grödens und gehören zum ladinischen Kulturkreis.

Geschichte und Sehenswertes

2) Kirche St. Peter und Paul, Foto: Frank K., Lizenz: CC BY 2.0 US

Der Name Kastelruth wurde erstmals zwischen 928 und 988 in einer Urkunde erwähnt. Die Burg Kastelruth, erbaut im Jahr 1228, zunächst im Besitz von Bischof Bruno von Brixen, wurde später an Graf Meinhard II. von Tirol übergeben.

Es gibt einige Unklarheiten über den Namen, der 985 in einer Urkunde als Castelruptum erscheint, was auf eine Ruine hindeutet. Nähere Einzelheiten über frühere Namen, wie auch über den Bau der Burg sind nicht bekannt.

Die Besitzverhältnisse sind bewegt. So übergibt Graf Meinhardt II das Gebiet an den Edlen Rupert Maulrappen, Besitzer der Feste Wolkenstein in Gröden. Doch die Linie der Maulrappen stirbt in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts aus. 1348 wird Herzog Konrad Teck, Hauptmann an der Etsch, Pfandinhaber von Schloss und Gericht.

Zu Beginn des 15. Jahrhunderts sind Schloss und Landgericht Kastelruth gemeinschaftliches Eigentum der Ritter von Wolkenstein-Trostburg. Ihnen gehören auch Hauenstein und Salegg sowei ausgedehnte Güter.

In der neueren Geschichte von Kastelruth spielen die Kraus von Sala eine besondere Rolle. Sie stammen aus Ungarn und sind durch Heirat nach Tirol gekommen. Michael Kraus war Großherr und Edler am Plattensee. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts kam er in die Grafschaft Tirol, kaufte sich hier an und wurde später in die Adelsmatrikel von Tirol eingetragen.

Von 1584 bis 1588 war er Pfleger (Richter) auf Hauenstein. Unmittelbar vor seinem Tod machte er die berühmte Stiftung für die Armen in Kastelruth, wozu er ein Kapital von 6.500 Gulden, der Gulden zu 60 Kreuzer, bereitstellte, das einen jährlichen Zinsertrag von 1.000 Kronen gab. Damit mussten in erster Linie Gottesdienste für die Herren von Kraus bestritten werden und mit dem Überschuss sollten die Dorfarmen beschenkt werden (Brot- und Salzverteilung an die Armen jeweils im Oktober jeden Jahres). Am 11. April starb Michael Kraus. Sein Grabstein ist in der Turmkapelle an der Mauer links des Portals befestigt.

Aus dem alten Turm des ehemaligen Römerkastells schufen die Herren von Kraus eine Dorfkapelle, deren untere dem Hl. Antonius geweiht ist. Der Schlossberg selbst wurde von Georg Kraus in einem Naturpark umgestellt (1675) und die sieben kleinen Kapellen geben ihm das Gepräge eines Kalvarienberges. Mitte 1847 stirbt das Geschlecht in männlicher Linie aus. Durch die Mildtätigkeit und durch die Baulust (die ehemaligen Kraussitze tragen heute noch die Zinnen) haben sie sich große Verdienste erworben.

Im heutigen Turmwirtshaus erinnert noch der prachtvolle, mit Wappen verzierte Ofen an das Geschlecht: Vier Kraus'sche Porträts schmücken den Gemeindesitzungssaal.

Kastelruth im Sommer

2) Kastelruth, Foto: M-Car, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Kastelruth als touristisches Zentrum bietet jede Form von Information und ausführliches Kartenmaterial zu den Ortschaften und zum Naturpark Schlern sowie zur Seiser Alm.

Das gesamte Gebiet ist eine besondere Landschaft mit vielen Reizen und bietet eine große Palette an Wandermöglichkeiten und Ausflügen in eine Bergwelt, die trotz des Bekanntheitsgrades vom Massentourismus noch nicht überschwemmt wurde.

Zahlreiche Wanderwege mit leichten, mittleren und anspruchsvollen Schwierigkeitsgraden laden Familien und Bergsteiger ein.

Kastelruth im Winter

2) Seiser Alm im Winter, Foto: Emes, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Es sind nicht die noblen Skiorte und der Jet Set, die sich auf der Seiser Alm ein Stelldichein geben, es ist die ausgedehnte Landschaft mit ihren vielen Möglichkeiten zum Skiwandern, zum Langlauf und auch zum Abfahrtslauf, die das Hochplateau und der Langkofels als Besonderheit bieten.

Sehen Sie dazu die Beschreibung unter Seis am Schlern.

Wer aber den Jet Set und das bunte Treiben liebt, der hat es zum Grödnertal und der bekannten Skiarena nicht weit.