Landschaftsbild 1

1) Kopfbild Mitte, Pustertal

Impressionen

2) Kilometerstein der Römer (Replik), Foto: Thomas Springer, Lizenz: Gemeinfrei
2) Margarete von Tirol, Lizenz: Gemeinfrei

Das Pustertal und seine Geschichte, die von den Bajuwaren bis zu den Habsburgern reicht

Im Volksmund wird das Pustertal als das "grüne Tal" bezeichnet. Der Name "Pustertal" wird seit dem 10. Jahrhundert erwähnt und zwar als "comitatus" (Grafschaft), "pagus" (Gau) oder "vallis" (Tal) "Pustrissa". 

Die Geschichte des Pustertals reicht bis zu den Römern zurück. In den Jahren 16 und 15 vor Christus gliederten die Römer weite Teile des Alpenraumes in ihr Reich ein. Sie errichteten unter anderen zwei Provinzen auf dem heutigen Tirol, Rätien im Westen und Norikum im Osten. 

Norikum umfasste unter anderem das Pustertal und das mittlere Eisacktal. In den nächsten Jahrhunderten wurden die Menschen in diesem Tal allmählich romanisiert, was sich auch in der Sprache niederschlug. Es war dies das Lateinische, aber nicht in seiner klassischen Form, sondern in der damaligen Umgangssprache, dem sogenannten "Vulgärlatein", das in manchen Punkten vom geschriebenen Latein abwich. 

Die Ursprüngliche Sprache entwickelte sich zum Rätoromanischen. Das heutige Ladinische, wie es in den Dolomitentälern gesprochen wird, ist ein Überbleibsel davon. 

Besonders wichtig  für die künftige Entwicklung des Pustertales war der Ausbau des Straßennetzes durch die Römer. Die Via Claudia Augusta war eine sehr wichtige Transit- und Handelsroute des Römerreiches.

Eine Abzweigung davon, nämlich die Via Augusta Altinate, führte durch das Pustertal. Die wichtigsten Orte bzw. römischen Siedlungen waren Sebatum / St. Lorenzen, Littamum / Innichen und Auguntum bei Lienz. Römische Meilensteine, die bei Bauarbeiten immer wieder gefunden wurden und somit heute ersichtlich sind, geben Zeugnis vom Verlauf dieser alten Römerstraße. 

Ergänzendes finden Sie unter der Rubrik Antike. Die Touren in Tirol und in Südtirol finden Sie im TourGuide. 

Interessant ist der weitere Teil der Geschichte, der für das ehemalige Land Tirol (bis zum ersten Weltkrieg) und seine Entstehung wichtig ist und Auswirkungen bis in die heutige Zeit hat. 

Sie beginnt mit den Bajuwaren auf dem Toblacher Feld, der höchstgelegenen Fläche des Pustertals. Das Feld war zwischen 590 und 600 Schauplatz der ersten Zusammenstöße zwischen den Bajuwaren unter Herzog Tassilo I., die sich nach Südosten ausbreiten wollten.

Zu dieser Zeit wollten sich die Alpenslawen nach Norden ausbreiten und wurden von den Bajuwaren erfolgreich daran gehindert. Herzig Tassilo III gründete 796 das Kloster Innichen und wollte damit die Slawen missionieren. 

Die Gaugrafschaft Pustertal gehörte dem Sieghardinger Engelbert IV. Siegfried I von Spanheim heiratete die Tochter Engelberts IV und kam dadurch in den Besitz der Grafschaft. Siegfrieds Sohn, Engelbert I verlor die Grafschaft 1091 durch den Investiturstreit und so ging die Grafschaft durch eine kaiserliche Schenkung an die Bischöfe von Brixen. 

Der Investiturstreit war der Höhepunkt eines politischen Konfliktes im mittelalterlichen Europa zwischen geistlicher und weltlicher Macht um die Amtseinsetzung von Geistlichen (Investitur). 

Otto von Andechs gab die Grafschaften Pustertal und Norital seinem Bruder Berthold II als Lehen. Nach dem Aussterben der Andechser im Jahr 1248 kamen die Grafschaften an die Grafen von Tirol. Doch schon 1253 erlosch die Linie der Tiroler und so erbte Meinhard I, Schwiegersohn des letzten Grafen von Tirol, Albert II, die Grafschaften. 

Meinhard I verstarb 1258 und so wurden die Grafschaften zwischen seinen Söhnen Meinhard II und Albert aufgeteilt, wobei das Pustertal an Albert fiel, der zur Linie der Grafen von Görz gehörte.

Die Grenze zwischen der Grafschaft Tirol und der Grafschaft Görz war die Mühlbacher Klause (Sehen Sie dazu Mühlbach unter Eisacktal). Nach dem Aussterben der Grafen von Görz im Jahr 1500 fielen die Grafschaften gemäß Erbvertrag an Maximilian I von Habsburg. Dies hatte Auswirkungen auf Osttirol, das bis dahin von Tirol unabhängig war. Sehen Sie dazu auch die Beiträge unter Kultur / Geschichte / Mittelalter. 

Einen besonderen Aufschwung für die Wirtschaft und den Tourismus für das Pustertal brachte die Pustertaler Eisenbahn, die im Jahre 1871 in Betrieb genommen wurde. 

Literatur: Unser Pustertal in Vergangenheit und Gegenwart, Hg. Bezirksgemeinschaft Pustertal.

Quelle: Bezirksgemeinschaft Pustertal, September 2011.